Corporate Influencer Sparkasse: Was ein Sparkassen-Direktor in einem Jahr auf LinkedIn erreicht hat

Drei Disziplinen, in denen Geduld die einzige funktionierende Strategie ist: 1. FC Köln, Golf, Sparkasse. Christian Fuchs macht alle drei. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sein Weg zum Corporate Influencer in der Sparkassen-Welt so weit getragen hat.

Christian ist Direktor Regionalmarkt Süd bei der Stadtsparkasse Düsseldorf, seit 21 Jahren im Haus. Im Februar 2025 hat er angefangen, LinkedIn ernst zu nehmen. Ein gutes Jahr später: 14.000 Follower, über eine halbe Million Impressions, externe Bewerbungen, Keynotes in Wien und Zürich, Top 5 beim Corporate Influencer Award 2026 in der Kategorie Leadership.

Wenn du in einer Sparkasse arbeitest und dich fragst, ob sich der Aufwand lohnt: Die Antwort steckt in dieser Podcast-Episode. Und in den Methoden, die Christian dabei entwickelt hat. Diese Methoden lassen sich übertragen, auch wenn du nicht bei einer Sparkasse arbeitest.

Warum Sparkassen LinkedIn unterschätzen (und warum sich das gerade ändert)

Die meisten mittelständischen Unternehmen in Deutschland sind kommunikativ nicht ganz vorne. Sparkassen sind da keine Ausnahme. Nicht laut, nicht humorvoll, eher zurückhaltend. Das ist Teil der Marke. Genau diese Zurückhaltung wird auf LinkedIn aber zur Bremse, wenn niemand persönlich sichtbar wird.

Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf hat sich das geändert, als 2022 die Jugendmarke Smunny eingeführt wurde. Christian wurde von einem Kollegen angesprochen, der schon LinkedIn-aktiv war. Der erste Account entstand. Sporadisch. 2024 wurde es intensiver. 2025 startete dann das Corporate Influencer Programm der Stadtsparkasse, begleitet von Schaffensgeist. Zwölf Corporate Influencer aus dem Haus, Christian war von Anfang an dabei.

Der Punkt ist nicht "endlich auch mal LinkedIn machen". Der Punkt ist, mit Substanz aufzutreten. Sparkassen haben einen Vorteil, den sie selten ausspielen: regionale Verwurzelung, langjährige Mitarbeitende, echte Arbeitgeberattraktivität. Aber dieser Vorteil zeigt sich nur, wenn Menschen davon erzählen. Nicht die Company Page.

Wenn Mitarbeitende anfangen zu posten, kommt fast immer dieselbe Reaktion aus dem Haus: "Das ist doch viel Selbstdarstellung". Christian kennt das auch. Sein Umgang damit ist pragmatisch:

"Ich stelle definitiv Rückfragen. Woran machst du das fest? Wieso siehst du das so? Was passt dir nicht? Da muss man auch ein Stück weit abgehärtet sein. Denn der Zuspruch ist deutlich größer als die Missgunst." (Christian Fuchs)

Diese Haltung ist Voraussetzung. Wer nur loslegt, wenn alle im Haus die Idee gut finden, legt nie los.

Die A-bis-Z-Methode: Wie Wertschätzung zu 500.000 Impressions wird

Christians erfolgreichstes Format ist gleichzeitig sein einfachstes. 26 Wochen lang, jeden Mittwoch, hat er eine Kollegin oder einen Kollegen aus seinem Bereich vorgestellt. Von A bis Z. Jede Person bekam einen eigenen Beitrag mit eigener Geschichte und einem eigenen Foto.

Die Mechanik ist banal, der Effekt nicht. Im Jahr 2025 hatte Christians Profil über 500.000 Impressions. Die A-bis-Z-Reihe hat einen Großteil davon getragen. Und sie hat etwas ausgelöst, das in vielen Sparkassen schwer zu organisieren ist: Wertschätzung in der Breite, sichtbar gemacht.

"Es passiert viel, was Außen-Kolleginnen und Kollegen nicht mitbekommen, insbesondere dann, wenn wir über Wertschätzung, über Lob, über Honorierung sprechen, dann ist das oft unter Vieraugen. Aber umso schöner fand ich es, dass halt für jeden der 26 auch irgendwie eine eigene Story, eigenes Thema gab." (Christian Fuchs)

Die Methode lässt sich übertragen, auch ohne das exakte Format zu kopieren. Drei Prinzipien tragen sie:

Erstens: Konsistenz schlägt Cleverness. 26 Wochen, ein festes Format, ein fester Tag. Das Hirn der Leser lernt das Muster und freut sich auf die nächste Folge. Das funktioniert besser als der dritte Versuch, einen viralen Hit zu landen.

Zweitens: Die Bühne weiterreichen, statt sie zu beanspruchen. Christian hätte 26 Wochen über sich selbst posten können. Hat er nicht. Er hat 26 Mal andere sichtbar gemacht. Das ist im Corporate-Influencer-Kontext oft der wirksamste Hebel, weil es etwas auflöst, was viele Mitarbeitende beim Posten blockiert: das Gefühl, sich selbst inszenieren zu müssen.

Dritter Effekt: Branchenweite Adaption. Bei einer Vertriebsveranstaltung im Wertpapierbereich kam eine Kollegin aus einer anderen Sparkasse auf Christian zu: "Du bist doch der von 'Mein Team von A bis Z', sowas haben wir jetzt bei uns im Haus auch vor." Genau so verbreiten sich gute Formate. Andere kopieren, weil es funktioniert. Und wer es zuerst gemacht hat, wird zur Referenz.

Ergebnisse von Christian Fuchs

Was es konkret gebracht hat: Bewerbungen, Keynotes, Branchenadaption

Die Frage, die in jeder Sparkasse irgendwann gestellt wird, lautet: Was bringt das eigentlich? Nicht in Likes. In Geschäftsergebnissen. Christian hat darauf eine klare Antwort.

"Neue Kolleginnen und Kollegen. Also das hat mir was gebracht, das hat unserem Haus was gebracht, das hat unseren Kunden was gebracht." (Christian Fuchs)

Konkret hat Christians Aktivität auf LinkedIn dazu geführt, dass mehrere externe Bewerbungen eingegangen sind und neue Mitarbeitende gewonnen wurden. Wie das geht, ist nicht kompliziert. Christian hat keine LinkedIn-Jobs geschaltet. Er hat eigene Beiträge gemacht, das Team vorgestellt, gezeigt wie der Arbeitsplatz aussieht. Das, kombiniert mit der A-bis-Z-Reihe, hat Bewerbenden ein konkretes Bild gegeben. Sie sahen die Menschen, mit denen sie arbeiten würden, bevor sie sich beworben haben.

Der zweite Effekt war überregionale Reichweite. 2025 wurde Christian für eine Keynote auf einem Kongress in Wien angefragt. Kurz danach folgte Zürich. Themen: Corporate Influencer und LinkedIn aus Sparkassen-Sicht. Ein Jahr nach dem ersten ernsthaften LinkedIn-Beitrag spricht ein Sparkassen-Direktor bei der österreichischen und der schweizerischen Branche. Das passiert nicht durch Zufall, aber es passiert auch nur, wenn man sichtbar genug ist, um angefragt zu werden.

Der dritte Effekt ist die Produktreichweite. Wero, die europäische Bezahllösung, war ein Schwerpunkt-Thema 2025. Christian wurde Teil einer losen Gruppe von zehn Sparkassen-Influencern, die das Thema mit jeweils drei Beiträgen begleitet haben. Eine DM, ein Abgleich intern, dann ging es los. Solche Initiativen funktionieren, weil bereits Sichtbarkeit da ist und weil Vertrauen besteht.

Wir bei Schaffensgeist sehen diesen Effekt regelmäßig in unseren Programmen. Wenn ein Corporate Influencer Programm steht, entstehen Anfragen, Kooperationen und Bühnen, die vorher unsichtbar waren. Wir nennen das Serendipity. Es ist kein Bonus, sondern passiert in fast jedem Programm, das wir begleiten.

Routine schlägt Inspiration: 2 Posts pro Woche, abends vorbereitet

Christians Posting-Routine ist unspektakulär und genau deshalb so wirksam. Zwei Posts pro Woche, meistens Dienstag bis Freitag, vormittags. Beiträge werden abends vorbereitet, vor dem Schlafengehen. Am nächsten Morgen schaut er nochmal drüber, optimiert zwei, drei Sätze, dann geht der Post raus.

Diese Routine funktioniert aus zwei Gründen. Erstens hält sie durch. Sie passt in einen Vollzeit-Job mit Führungsverantwortung für 150 Mitarbeitende, auch wenn eine Woche mal voller wird. Zweitens schafft sie Abstand zwischen Schreiben und Veröffentlichen, was die Qualität jedes einzelnen Posts hebt.

"Ich würde jetzt auch keinen Post des Schreibens wegen machen wollen. Ich habe dann lieber auch mal drei, vier Wochen, die ein bisschen weniger sind, dann vielleicht danach auch wieder relevantere Themen spielen zu können." (Christian Fuchs)

Das ist die richtige Haltung. Posten als Disziplin, nicht als Zwang. Wer aus Pflichtgefühl schreibt, produziert dünne Beiträge. Wer wartet, bis er etwas zu sagen hat, produziert Substanz. Mit zwei Posts pro Woche liegt Christian übrigens genau da, wo der LinkedIn-Algorithmus 2026 für ambitionierte Creator empfiehlt: zwei bis vier Posts pro Woche.

Bei der Veröffentlichungszeit hat Christian einen leichten Optimierungsspielraum. Er postet vormittags, oft schon vor 10 Uhr. Das aktuelle Posting-Window mit der höchsten Reichweite liegt zwischen 10 und 14 Uhr. Wer das eine Stunde nach hinten verschiebt, bekommt im Schnitt mehr Reichweite, ohne dass sich am Inhalt etwas ändert. Solche Mikro-Optimierungen sind kein Make-or-Break, aber sie summieren sich über Monate.

Was Führungskräfte oft übersehen: der Multiplikator-Effekt

Wenn eine Führungskraft auf LinkedIn aktiv wird, entsteht ein Effekt, der weit über den eigenen Kanal hinausgeht. Mitarbeitende ziehen mit. Christian erzählt eine Anekdote, die das exemplarisch zeigt.

In einem Austausch mit Auszubildenden aus dem ersten Lehrjahr stand am Ende ein Azubi auf und sagte: "Also ich würde den LinkedIn-Post darüber machen." Am nächsten Morgen war der Beitrag online. Der Azubi liefert sich seitdem ein freundschaftliches Posting-Duell mit seiner Chefin.

"Ich glaube, da kannst du als Führungskraft auch Mitarbeiter anstecken, anzünden, auch motivieren und auch LinkedIn ganz gut nutzen." (Christian Fuchs)

Das ist der unsichtbare Effekt eines Corporate Influencer Programms in der Führungsetage. Eine Führungskraft, die selbst sichtbar ist, gibt ihren Teams die Erlaubnis, es ihr gleich zu tun. Das wirkt mehr als jede Rundmail oder jedes Town-Hall-Meeting. Vorbild schlägt Vorgabe.

In Schaffensgeist-Programmen sehen wir diesen Effekt immer wieder. Ein gut sichtbares C-Level oder eine sichtbare Bereichsleitung sind der größte Hebel für Corporate Influencer Programme insgesamt. Ohne sie bleibt das Programm eine Insel der Mutigen. Mit ihnen wird es zur Normalität.

Geduld ist Christians zweiter wiederkehrender Punkt. Nicht als weicher Wert, sondern als Strategie:

"Geduld. Also es passiert halt nicht von heute auf morgen. Es ist halt schon harte kontinuierliche Arbeit. Vor allen Dingen man selber bleiben, authentisch bei seinen Themen bleiben, sich nicht reinreden und reinquatschen lassen oder zur Marionette letztlich zu werden." (Christian Fuchs)

In einem Markt voller schneller LinkedIn-Hacks ist Geduld schwer zu kopieren. Sie verlangt nichts Besonderes, nur dranbleiben, eigene Themen behaupten, nicht jedem Trend hinterherlaufen. Genau deshalb machen es die wenigsten.

Auf einen Blick

✅ Konsistenz schlägt Cleverness: Ein einfaches, wiederholbares Format wie die A-bis-Z-Reihe wirkt stärker als der ständige Versuch eines viralen Hits.

✅ Die Bühne weiterreichen: Wer andere sichtbar macht, baut schneller Reichweite auf als wer sich selbst inszeniert.

✅ Ergebnisse sind messbar: Externe Bewerbungen, Keynotes, Produktreichweite, Branchenadaption. Wer richtig kommuniziert, produziert Geschäftsergebnisse.

✅ Routine vor Inspiration: Zwei Posts pro Woche, abends vorbereitet, vormittags veröffentlicht. Hält länger durch als jeder Aktionismus.

✅ Führungskräfte sind Multiplikatoren: Sichtbare Leadership macht es für Teams legitim und einfacher, selbst aktiv zu werden.

Häufige Fragen zu Corporate Influencer Programmen in der Sparkasse

Wie viele Corporate Influencer braucht eine Sparkasse für ein erfolgreiches Programm?

Die Größe entscheidet weniger als die Zusammensetzung. Christians Programm bei der Stadtsparkasse Düsseldorf hat zwölf Corporate Influencer. In Schaffensgeist-Programmen sehen wir, dass auch vier bis fünf engagierte Mitarbeitende ein wirksames Programm tragen können, wenn die Auswahl stimmt. Wichtiger als die Anzahl ist, dass die Teilnehmenden inhaltlich stehen können und Lust auf das Format haben.

Was bringt ein Corporate Influencer Programm einer Sparkasse konkret?

Messbare Effekte sind: externe Bewerbungen (Recruiting), gestiegene Arbeitgeberattraktivität, Reichweite für strategische Themen wie Wero, Einladungen zu Vorträgen und Kongressen, sowie regionale und überregionale Sichtbarkeit für die Marke. Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf hat ein einzelner Corporate Influencer in 2025 über 500.000 Impressions generiert.

Wie viel Zeit muss eine Führungskraft für LinkedIn investieren?

Christians Routine zeigt, dass zwei Posts pro Woche, abends vorbereitet, in einen Vollzeit-Job mit Führungsverantwortung passen. Realistisch sind 30 bis 60 Minuten pro Post für Vorbereitung und Reaktion auf Kommentare. Wer regelmäßig kommentiert, sollte zusätzlich 10 bis 15 Minuten pro Tag einplanen.

Lohnt sich LinkedIn auch für kleinere Sparkassen?

Ja, sogar besonders. Kleinere Häuser haben oft den Vorteil näherer Beziehungen und weniger interner Hürden. Wenn drei bis fünf engagierte Mitarbeitende konsistent posten und sich gegenseitig unterstützen, kann ein kleines Haus regional sehr stark werden. Reichweite ist hier weniger wichtig als Relevanz in der Region.

Was sind die häufigsten Fehler beim Start eines Corporate Influencer Programms?

Drei Fehler treten regelmäßig auf: erstens, ohne professionelle Begleitung zu starten und sich in operativen Details zu verlieren. Zweitens, zu hohe Frequenzanforderungen zu setzen, die nach drei Monaten zu Burnout führen. Drittens, das Programm ohne sichtbares Buy-in der Führungsebene aufzustellen, wodurch es bei den ersten Hindernissen kippt.

Das ganze Gespräch hören

Du willst tiefer einsteigen? Die vollständige Folge der LinkedIn Lounge mit Christian Fuchs findest du hier:

LinkedIn Lounge auf Spotify

Christian erzählt im Detail von der Wero-Initiative, seiner Routine, dem Spagat zwischen privat und beruflich (inklusive Skifahren mit der Tochter als Leadership-Metapher) und warum sein iCloud-Speicher mittlerweile sechsstellig ist.

Über ein Corporate Influencer Programm in deinem Haus sprechen

Wenn du in einer Sparkasse arbeitest und gerade überlegst, ein Corporate Influencer Programm aufzusetzen oder eine zweite Kohorte zu starten: lass uns sprechen.

Wir bei Schaffensgeist haben in den letzten Jahren mit verschiedenen Sparkassen Programme aufgebaut, von der ersten Standortbestimmung bis zur dritten Kohorte. Wir wissen, wo die typischen Stolpersteine liegen und welche Module zu welcher Reife passen.

Du buchst dir einfach einen unverbindlichen Termin: 30 Minuten, in denen wir uns deine Ausgangslage anschauen und dir eine ehrliche Einschätzung geben. Kein Sales-Pitch, sondern Sparring.

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